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#civilfleet-support: Was wir in den letzten Monaten gemacht haben.

Die zivile Seenotrettung auf dem Mittelmeer ist seit mehreren Jahren ein fester Bestandteil der humanitären Hilfe für Menschen in Seenot. Im Sommer 2018 sah sich diese Bewegung jedoch einer so bisher nie dagewesenen Repressionswelle ausgesetzt: Helfende wurden unter fadenscheinigen Begründungen angeklagt, weil sie Menschen vor dem Ertrinken retteten, Schiffe wurden gleich ganz ohne Begründung beschlagnahmt und Staaten unter Druck gesetzt, den Schiffen ihren Flaggenstatus abzuerkennen.
Vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung ist die Kampagne des italienischen Innenministers Salvinis gegen die Aquarius unter dem Vorwand der unrechtmäßigen Müllentsorgung und die Anklagen gegen Ehrenamtliche in Italien, während so von denen, die versuchten, in Europa Sicherheit und Zuflucht vor Krieg, Folter und unvorstellbaren Grausamkeiten zu finden, immer mehr Menschen von Europa zum Sterben verurteilt werden.
Angesichts dieser Widersprüche kam eine Gruppe von in der zivilen Seenotrettung Aktiven auf die Idee, civilfleet-support ins Leben zu rufen. Hinter dieser Initiative stand weniger der Gedanke, eine neue Seenotrettungs-Hilfsorganisationen (NGOs) zu gründen, als vielmehr die Einsicht, bestehende Strukturen unterstützen zu wollen. Ein erstes Projekt war die Suche nach Spenden für ein Charterschiff, nachdem im Juni 2018 die Schiffe von Sea-Eye, Sea-Watch und Mission Lifeline auf Malta festgesetzt wurde.
Da zu diesem Zeitpunkt keines der zivilen Schiffe in der Lage war, Operationen im Mittelmeer zu fahren, wollten wir dazu beitragen, dass die zivile Seenotrettung möglichst schnell wieder stattfinden kann.
Doch Schiffe sind teuer und die Charterraten der meisten Schiffe hätten unser Budget deutlich überfordert. Zwischenzeitlich schien es günstiger, ein Schiff zu kaufen, doch auch das hätte unsere Mittel überfordert.
Leider haben sich auch keine realistischen Möglichkeiten ergeben, größere Beträge einzuwerben. Den besten Weg, die zivile Seenotrettung zu unterstützen, fanden wir nach mehrmonatiger Charterboot-Suche darin, das Charterschiff „Golfo Azzurro“ so vorzubereiten und auszustatten, dass sie von uns oder anderen NGOs zur Seenotrettung genutzt werden kann. Der Eigner zeigte sich offen für die Seenotrettung und erklärte bereits beim ersten Treffen, dass er mit ein paar grundlegenden Bedingungen einverstanden ist.
Mit unseren Planungen konnten wir sogar realistisch davon ausgehen, dass unser Budget für die ersten Missionen reicht und wir das Schiff dann in einem guten Zustand mit professioneller Ausstattung an andere übergeben können.
Dass dieses Schiff zu Einsätzen dieser Art in der Lage ist, hat es in der Vergangenheit mehrfach bewiesen. Doch selbst dann musste das Schiff, das in der letzten Zeit mehr für Vergnügungsreisen als in der Seenotrettung eingesetzt wurde, von Grund auf überholt und nachgerüstet werden.
Es wurde eine Gästeküche eingerichtet, um die Geretteten mit einfachen Mahlzeiten zu versorgen. Gleichzeitig mussten die Stauräume erweitert werden, um ausreichend Verpflegung für mehrere hundert Menschen über mehrere Tage zu sichern. Da viele der Flüchtenden in gesundheitlich schlechtem Zustand sind und die Missionen auch für die Crew selbst unfallträchtig ist, wurde ein funktionelles Hospital mit zwei Behandlungsplätzen eingebaut und mit Medikamenten und medizinischen Geräten ausgestattet. Eine neue zweite Brücke und kugelsichere Treibstofftanks dienen der Sicherheit der Crew angesichts einer immer aggressiver agierenden sogenannten Libyschen Küstenwache.
Um jedoch nicht nur materiell auch die immer höher werdenden Ansprüche der zivilen Seenotrettung zu reagieren, haben wir ebenfalls Crewmitglieder zukünftige Crewmitglieder in den Grundlagen der Sicherheit in der Seefahrt ausbilden lassen, sodass die zivile Flotte nun auf ein paar mehr Freiwillige mit STCW-Zertifikaten zugreifen kann.Während die Arbeiten gut anliefen und schnell vorangingen, konnten wir wahrnehmen, wie der zivilen Seenotrettung immer mehr Steine in den Weg gelegt wurden. Panama – der Flaggenstaat der Aquarius – wurde von Italien unter Druck gesetzt, sodass die Aquarius die Panama-Flagge verlor und eine neue brauchte. Zu diesem Zeitpunkt, hatte auch die Golfo-Azzurro eine panamnesische Flagge, wodurch auch wir zum Flaggenwechsel gezwungen wurden. Leider hängt bei Schiffen an der Flagge die komplette Registrierung und durch ein paar andere Gängeleien von Seenotrettungs-NGOs durch die Behörden wurde klar, dass auch die Registrierung als Yacht zu Problemen führen würde. Damit stand ein langer, teurer Prozess der Umregistrierung an, an dem wir uns mit hunderten Stunden ehrenamtlicher Arbeit und Geld beteiligt haben.Die Golfo Azzurro und die Crew haben am Ende jedoch allen Ansprüchen und Untersuchungen für einen Flaggenwechsel stand gehalten und segeln von nun an als Guard-Vessel unter der Flagge von Vanuatu. Diese Registrierung beinhaltet und erlaubt SAR-Aktivitäten explizit, sodass auch auf dieser Ebene eine Absicherung gegen einen potentiellen fadenscheinigen Flaggenentzug, wie wir es bei der Aquarius miterleben mussten, vorhanden ist.
Parallel zu all dieser praktischen Arbeit wurden Guidelines und Einsatzpläne für zukünftige Missionen erstellt, Kontakte zu Zulieferern in den Niederlanden, in Spanien und in Frankreich geknüpft und Menschen für die zukünftige Zusammenarbeit angesprochen. Außerdem haben wir ein hochseetaugliches größeres Schnellboot gekauft, um Rettungen professionell durchführen zu können und in Notfällen auch längere Wegstrecken auf dem Meer schnell zurücklegen zu können.
Insgesamt kann man sagen: In den Niederlanden liegt ein Schiff, das das Prädikat „Ready to Rescue“ trägt und bereit ist, die Flotte der zivilen Seenotrettung zu unterstützen. Wie schon angesprochen, geht es uns nicht darum, das Schiff selbst unter unserem eigenen Logo zu betreiben. Wir haben verschiedene NGOs, die zwar Geld aber kein einsatzfähiges Schiff haben, angesprochen und momentan sieht es so aus, als wenn eine allseits bekannte NGO kurz vor dem Vertragsabschluss steht und das Schiff zeitnah betreiben würde.Sollte sich in den nächsten Monaten keine NGO finden, die das Schiff betreibt, werden wir selbst versuchen, weitere Gelder aufzutreiben.Bis dahin wollen wir mit unserer Energie und unseren Ressourcen aber weiter als NGO-übergreifende Unterstützungsplattform aktiv sein. Im Dezember konnten wir mit der Spende eines fünfstelligen Betrages zum Beispiel dafür sorgen, dass die Professor-Albrecht-Penck von Sea-Eye genügend finanzielle Mittel hatte, um zum ersten Einsatz aufzubrechen. Im Ergebnis konnten – trotz der beschämenden Situation, dass ewig kein Staat sich zur Aufnahme der Schiffbrüchigen bekannt hat – 17 Menschenleben gerettet werden.
Um solche zielgerichteten Spenden für die Seenotrettung zu gewährleisten brauchen wir weiterhin eure Hilfe. Darum sind wir auf eure Spenden angewiesen. Wir brauchen aber auch immer wieder Menschen, die als Crew auf den zivilen Seenotrettungsschiffen mitfahren oder an Land verschiedene Aufgaben übernehmen. Wenn ihr euch vorstellen könnt, uns zu unterstützen, meldet euch!

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Wer wir sind

Wir sind Aktivist*innen aus dem Umfeld der Seenotrettungsorganisationen und wir werden ein Boot chartern, um Menschen in Gefahr zu retten. Das nötige Geld wollen wir mit euch und prominenter Unterstützung fundraisen.